Hoyerswerda - Geschäfte stärken, statt neue Einkaufszentren planen!

Die Schließung des Obst- und Gemüseladens Tutti-Frutti im Lausitz-Center ist aus meiner Sicht kein Einzelfall, sondern ein weiteres Warnsignal für den stationären Einzelhandel – nicht nur in Hoyerswerda, sondern weit darüber hinaus. Quelle: Sächsische Zeitung
Als Landtagsabgeordnete und Stadträtin von Hoyerswerda bin ich der Überzeugung, dass wir nicht über immer neue Einkaufszentren sprechen sollten. Viel wichtiger ist es, die bestehenden Standorte zu stärken und den Händlern endlich wieder Perspektiven zu geben.
Ich habe in den vergangenen Monaten mit mehreren Geschäftsinhabern aus Hoyerswerda gesprochen. Viele berichten von derselben Entwicklung: Die Betriebskosten, Mieten, Energiepreise und Lohnnebenkosten steigen stetig, während gleichzeitig die Kaufkraft der Menschen sinkt. Viele Bürger müssen einen immer größeren Teil ihres Einkommens für Wohnen, Energie und den täglichen Lebensunterhalt aufbringen. Für Einkäufe im Einzelhandel bleibt dadurch immer weniger Geld übrig.
Dieses Bild zeigt sich nicht nur in Hoyerswerda. Auch im Blechen Carré in Cottbus habe ich mit Verantwortlichen gesprochen. Dort stehen ebenfalls Ladenflächen leer. Die Probleme sind dieselben: steigende Kosten, zurückhaltende Kunden und sinkende Umsätze.
Ein Blick in den Altstadtkern von Hoyerswerda macht die Entwicklung besonders deutlich. Kaum noch ein lokaler Einzelhändler ist dort anzutreffen. Immer mehr Geschäfte verschwinden, Leerstände nehmen zu und mit jedem Laden, der schließen muss, verliert unsere Stadt ein Stück Lebendigkeit. Diese Entwicklung ist äußerst bedauerlich und sollte uns alle nachdenklich machen.
Mehrere Geschäftsinhaber aus Hoyerswerda sind bereits mit ihren Sorgen an mich herangetreten und haben mich gebeten, dieses Thema sowohl im Sächsischen Landtag als auch im Stadtrat anzusprechen. So groß ist inzwischen die Verzweiflung vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen. Mir liegt sogar ein Brief eines Unternehmers vor, der seine wirtschaftliche Situation und seine Existenzängste eindringlich schildert.
Wir brauchen deshalb keine neuen Einkaufszentren, sondern bessere Rahmenbedingungen für die Unternehmen, die bereits vor Ort investieren, Arbeitsplätze schaffen und unsere Innenstädte beleben. Wenn die Kosten für Energie, Bürokratie, Abgaben und Lohnnebenkosten immer weiter steigen und gleichzeitig die Kaufkraft der Menschen sinkt, werden weitere Geschäfte ihre Türen schließen müssen.
Die Schließung von Tutti-Frutti sollte deshalb Anlass sein, die Ursachen ernsthaft zu hinterfragen und endlich die richtigen politischen Weichen zu stellen. Unser Ziel muss es sein, den lokalen Einzelhandel zu erhalten, bestehende Standorte zu stärken und unseren Innenstädten wieder eine echte Zukunftsperspektive zu geben.
Ihre Doreen Schwietzer Mitglied des sächsischen Landtages
